«Er vermag seine Leser mitzunehmen»

Stephan Reinhardt, Autor von The finest wines of Germany, 2012, beurteilt VINIPAZZI folgendermassen:

16. Juni 2014

«VINIPAZZI ist der Beginn einer Publikationsreihe für Weinverrückte, für Menschen, die sich vom Wein verrücken, ja sogar entrücken lassen können, die sich vom Wein emotional berühren lassen und ihn nicht einfach nur gut oder lecker finden. Und die ihm, vielleicht, auf den Grund gehen wollen. VINIPAZZI ist dezidiert keine geeignete Lektüre für Besserwisser oder Bewertungsschleudern, die im Internet denjenigen die Lust am Wein verderben, die sie dort befriedigen wollen. Thom Held, Herausgeber und Autor der soeben gestarteten Reihe, versenkt sich in die Weine, über die er schreibt, lässt sich von Ihnen entführen und mitreißen, geht mit ihnen auf Reisen und versucht ihr Geheimnis zu ergründen. Dabei verwandelt sich der scheinbare Romantiker in einen scharfsinnigen Analysten und mitreißenden Erzähler. Die spannende Geschichte über die Eisweinernte bei Weltstar Helmut Dönnhoff an der Nahe etwa liest sich wie ein Krimi. Und Helds gedanklichen Exkurse über den Wein hinaus, wie sie bei den Porträts der Biodynamiker Clemens Busch (Mosel) und Peter Jakob und Angela Kühn (Rheingau) zu verfolgen sind, zeigen, dass hier nicht nur ein weinvertäumter Romantiker die Feder führt, sondern ein Denker, der sich das Fühlen nicht verbieten lässt. Dass er jedem einzelnen Wein während der Verkostung nicht nur Worte, sondern auch eine Skizze über dessen Struktur und Wesensart widmet, die er nachträglich koloriert, ist eine weitere Dimension des Sich-Befassens mit Wein, die über den nur scheinbar naiven, durch keinerlei intellektuelle Distanz beschränkten Zugang weit hinaus geht. Und dennoch ist Helds Zugang ein radikal subjektiver. Aber er vermag seine Leser mitzunehmen, weil er ihnen in keiner Sekunde vorgaukelt, ein Kenner zu sein, der er aber zweifellos ist.
Freilich, man muss sich Zeit nehmen, um sich in die Denk-, Gefühls- und Geschmackswelten Thom Helds hineinzuwühlen. Aber ist Zeit nicht genau das, was jeder große Wein von uns beansprucht? Mit dieser demütigen Haltung ist Held auch den zuweilen ja sperrigen Winzern so nahe gekommen, wie kaum jemand sonst. So ist VINIPAZZI nicht nur ein Buch über faszinierende Weine, sondern auch ihre nicht minder faszinierenden Winzer.»

Stephan Reinhardt (Hamburg, Deutschland; Autor von The finest wines of Germany, 2012, ehemals Herausgeber des Weinwissers, Chefredaktor Vinum Deutschland und seit 2014 «Korrespondent» für Deutschland, Österreich, Schweiz, Elsass, Chapagne und Loire von Robert Parkers Wine Advocate)

Stephan Reinhardt
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